Pressemitteilung vom 06.10.2021

+++ Bewohner*innen des Dorfes Lützerath kündigen an, den weiteren Kohleabbau zu blockieren +++

Die Klimaaktivist*innen, die in das vom Braunkohleabbau akut bedrohte Dorf Lützerath gezogen sind, kündigen an, dort auszuharren, bis fest steht, dass das Dorf erhalten bleibt. Sie fordern einen sofortigen Kohleausstieg.
In dem Sinne geht ihnen auch der abgelehnte Antrag der Grünen im Landtag nicht weit genug. Diese forderten unter anderem ein zeitlich begrenztes Moratorium für den Erhalt des Dorfes und einen früheren Kohleausstieg 2030.

„Schon dieser unzureichende Vorschlag kommt nicht durch. Dies zeigt, dass wir nicht darauf warten können, bis die Regierung Verantwortung für die Klimakrise übernimmt“, schlussfolgert Salome Dorfer.
„Die Parteien haben zugesagt, die 1,5 Grad Grenze zu achten. Einmal an der Regierung knicken sie unter Wirtschaftsinteressen ein. Deswegen bauen wir hier nicht nur Baumhäuser, damit die Kohle im Boden bleibt. Sondern auch, weil wir eine ganze andere Art des Wirtschaftens brauchen!“

Deutschland und andere Länder des globalen Nordens tragen jedoch durch hohe historische Emissionen die Hauptverantwortung an der eskalierenden Klimakrise. Massive Maßnahmen sind, auch laut Einschätzung des letzten IPCC-Berichts, sofort notwendig 1 . Deswegen reiche eine Kohleausstieg 2030 nicht aus, so Salome Dorfer, eine Sprecherin der Initiative „Lützerath lebt“.

„Wir hätten schon längst aus den fossilen Energien komplett aussteigen müssen – Deutschland und andere ehemalige Kolonialmächte ziehen sich dreist aus ihrer Verantwortung für die globale Klimakrise“, so Dorfer.

Vor wenigen Tagen kündigte der Polizeipräsident Aachens an, dass keine Großeinsätze am Tagebaurand geplant seien. Die Aktivist*innen ordnen dies als Erfolg ihres Protests ein. Zugleich bereiten sie sich weiter darauf vor, Rodungen oder Abrisse zu verhindern.

„Jeder Tag, an dem Lützerath stehen bleibt, ist ein Erfolg unseres vielfältigen Protestes. Und nur weil die Polizei keinen Großeinsatz plant, heißt es noch lange nicht, dass sie nicht Amtshilfe für RWE leisten werden. Deswegen ist es wichtig, dass wir hier vor Ort sind und Klimagerechtigkeit selbst in die Hand nehmen“, so Salome Dorfer.

Gestern endete das „Alle Bäume Bleiben Festival“, bei dem hunderte Aktivist*innen vor Ort waren. Neben Bildungsprogramm und Blockadeaktionen wurden auch zahlreiche Strukturen aufgebaut, um Lützerath zu verteidigen und den Protest zu stärken. Baumhäuser, bis zu zehn Meter hohe
Holztürme und sogenannte Tripods wurden errichtet, auf denen sich Menschen aufhalten, um die geplanten Abrissarbeit zu blockieren. Das kleine Dorf Lützerath wird zum Kristallisationspunkt einer lebendigen, starken Klimagerechtigkeitsbewegung.

Rückfragen an:

Salome Dorfer, Sprecherin LützerathLebt
00491516893053
Email: kontakt@luetzerathlebt.info
http://luetzerathlebt.info/

1 https://www.carbonbrief.org/analysis-which-countries-are-historically-responsible-for-climate-change