Lützerath – Geschichte und Widerstand

Eckardt bei Pressekonferenz

Eckardt gibt Verkauf seines Grundstücks bekannt

„Mein Zuhause ist kein Spielball für Gerichte und Politik“

04.04.2022
Zusammen auf die Straße und nach Lützi: Gericht entschiedet gegen Lützerath

Nach langem Warten lehnt das OVG-Münster den Einspruch gegen die vorzeitige Besitzeinweisung an RWE ab. Es gäbe keine gesetzliche Grundlage für Klimaschutz.

28.03.2022

KoLaWi

Gründung der ersten kollektiven Landwirtschaft in Lützerath.

Februar 2022

Im Laufe des dezentralen Aktionstages am 08.01. wird der Paulahof besetzt. Es ist ab da an wieder Teil des Dorfes.

08.01.2022

Ursprünglicher Termin der Urteilsverkündigung

Das OVG Münster kündigt an, die Entscheidung um die vorzeitige Besitzeinweisung zu vertagen.

07.01.2022

Enteignung des letzten Landwirts?

Gegen die vorzeitige Besitzeinweisung , die der Konzern RWE beantragt hatte, wird Widerspruch eingelegt. Nachdem die erste Instanz RWE den Rücken frei hält, geht der Prozess in die zweite Instanz.

01.11.2021

Rodungssaison

Ab Oktober dürfen wieder Bäume gerodet werden. Es werden Vorbereitungen getroffen um Rodungen zu verhindern. Bisher konnte kein Baum gefällt werden

01.10.2021

Abriss der Häuser

Die Abrisse ziehen sich über mehrere Wochen während derer es zu vielfältigem Protest kommt.

04.01.2021

Rodungen

Nach Rodungen an der L277 werden auch in Lützerath Bäume gefällt.

04.11. 2020

Gründung der Mahnwache

Mit dem geplanten Abriss der L277 regt sich der Widerstand in Lützerath.

20.07.2020

(Geplantes) Ende der Umsiedlung

Nach Plänen RWEs sollte die Umsiedlung abgeschlossen sein bis:

2019

Beginn der Umsiedlung

Nach dem Braunkohleplan vom Februar 2006 begann die Umsiedlung in Lützerath am:

01.07.2006

Gründung

Erste urkundliche Erwähnung von Lützerath

1168

Lützerath ist eines der sechs von der Abbaggerung bedrohten Dörfer am Tagebau Garzweiler II. Die Tagebaukante rückt stetig näher. Um die Kohle unter Lützerath zu fördern, werden Häuser im belebten Dorf abgerissen und Bäume gerodet.

Die Zerstörung wird im folgenden Vergleich nur zu offensichtlich:

Der Ort Lützerath wird zuerst – unter etwas anderem Namen – im Jahr 1168 erwähnt und erhält seinen heutigen Namen im Jahr 1681. Zunächst besteht der Weiler (= kleines Dorf) aus drei Höfen von denen heute nur noch die letzten beiden stehen:

 

Junkershof (ca. Ende 14. Jhd – 21.01.2021)

Neuwerker- oder Paulshof (1168 – ???)

Duisserner-, Mönchs- oder Wachtmeisterhof (1168 – ???)

 

Die  Einwohnerzahl in Lützerath lag im Jahr 1970 bei 105, mit dem Aufkauf der Dörfer durch RWE nahm sie kontinuierlich bis ins Jahr 2019 ab. Mit dem Aufkommen des Widerstandes in Lützerath wandelte sich die Dynamik vor Ort massiv. Aus dem beschaulichen Weiler entwickelte sich ein Kristallisationspunkt des Widerstandes gegen die fortschreitende Klimazerstörung durch internationale Großkonzerne.

Lützerath hat einen festen Platz in der Geschichte der Klimagerechtigkeitsbewegung. So bildete sich 2015 in Lützerath das Aktionsbündnis Ende Gelände welches den Kohleausstieg selbst in die Hand nimmt und versucht durch Aktionen zivilen Ungehorsams ein weithin sichtbares Signal für eine Wende hin zu Klimagerechtigkeit zu setzen.

Im selben Jahr, sowie auch im Jahr darauf fand in Lützerath das Klimacamp Rheinland statt. Auch im Jahr 2021 soll es wieder in Lützerath stattfinden.

Am 20.07.2020 entwickelte sich aus einer Demonstration gegen den geplanten Abriss der Landstraße zwischen Lützerath und Keyenberg (L277) die Grundlage für einen nun beinahe ein Jahr andauernden Widerstand gegen die zerstörerischen Arbeiten RWEs. Nach der Demonstration fand ein Gottesdienst statt, der andauerte bis in den frühen Morgenstunden des 21ten die Abrissbagger anrückten. Es blockierten zahlreiche Menschen die Straße, Menschen besetzten Bagger und am 22ten wurde die Mahnwache Lützerath angemeldet.

Die Mahnwache wurde anschließend verlängert und stellt seit nun nahezu einem Jahr einen Anlauf- und Informationspunkt dar an dem Menschen aus den Dörfern, Aktive und interessierte Menschen zusammentreffen und gemeinsam ein Zeichen setzen gegen den dreckigsten, fossilen Energieträger. Mittlerweile wurde die Allee vor der Mahnwache durch einen Erdwall ersetzt, wir haben einen Winter mit Temperaturen bis zu -13° überstanden und sind noch immer 24 Stunden, 7 Tage die Woche vor Ort und zeigen mit unserer Anwesenheit, dass wir nicht hinnehmen das für die Profite Weniger die Klimakrise immer weiter angefeuert wird.

Ab dem 06.11.2020 begannen die Rodungsarbeiten in und um Lützerath. Innerhalb weniger Tage wurden in RWEs Auftrag hunderte Bäume getötet. Zahllose Tiere – von Vögeln, über Insekten, hin zu Kleinsäugern – verloren in der Folge ihr Zuhause. Menschen wurden aktiv gegen die Zerstörung.

Schon am ersten Tag der „Arbeiten“ kletterten Menschen in die Bäume und blockierten den Zugang zu den Bereichen in denen Bäume gefällt werden sollten. Es gab einen Versuch in das Gebiet vorzudringen in dem ein Harvester (landwirtschaftliches Fahrzeug, dass zur Fällung von Bäumen eingesetzt wird) einen kleinen Wald zerstörte, der aber durch Security und Polizei frühzeitig gestoppt wurde.

VIele Menschen kamen nach Lützerath und in den darauffolgenden Tagen wurde die Zerstörung immer wieder durch Personen auf Bäumen und in Traversen (Seile die zwischen zwei Punkten gespannt werden), den Einsatz von Tripods (dreibeinige Gestelle in deren Spitze üblicherweise eine Person sitzt) und durch zahlreiche Blockaden verzögert. Das Bündnis Alle Dörfer Bleiben meldete Mahnwachen an und es gab zahlreiche Demonstrationen. In diesem Zeitraum waren während der „Arbeitszeiten“ fast dauerhaft Hundertschaften vor Ort und erleichterten so das Voranschreiten der zerstörerischen Taten enorm.

Im Januar kam es dann erneut zu Widerstand in Lützerath. Diesmal ausgelöst durch die Vorbereitungen zum Abriss von vier Häusern in Lützerath. In den frühen Morgenstunden gelang es einer Gruppe von Aktiven auf das Dach eines Hauses zu gelangen. Dies bildete den Auftakt für circa 2 1/2 sehr widerständige und intensive Wochen in denen immer wieder Hausdächer, Straßen und „Arbeitsgeräte“ besetzt wurden. Der Widerstand war divers und es gab wie im November immer wieder Demonstrationen, eine widerständige Drei-Königsaktion und auch Mahnwachen.

Kommt in die ZAD Rheinland! In dieser „zone à deféndre“, also „zu beschützenden Zone“, verteidigen wir ein kleines Dorf mit Bäumen und Häusern, und verhindern so, dass RWE an hunderte Millionen Tonnen Kohle unter der Erde kommen kann. Wir sind nicht bloß eine Besetzung, denn zum Großteil befinden wir uns auf dem Grundstück von Eckardt Heukamp, dem letzten Landwirt von Lützerath. Sich lokal zu organisieren und gegen Projekte wie den Tagebau Garzweiler einzusetzten, steht in einem Zusammenhang damit, für Klimagerechtigkeit weltweit zu kämpfen.
 
Über den Spätsommer und Herbst 2021 sind hier neben der Mahnwache zahlreiche Baumhäuser und andere Holzbauten sowie mehrere große Zelte für Versammlungen und kleinere Treffen und Workshops entstanden. In den von Eckardt gemieteten WGs, Wohn- und Bauwägen im Wäldchen von Lützerath und einem Gemeinschaftshaus, sowie selbstgebauten Baumhäusern, Hütten und schließlich den drei von uns wiederbelebten Häusern sind hier zahlreiche private und kommunale Schlafplätze vorhanden. Für einige der verschiedenen AGs – dem Infopoint, dem Actionpoint, dem Awareness Team, den Sanis, der Media AG, der Küfa (Küche für Alle) – gibt es sogar eigene Hütten. Für BIPOC, neurodiverse Menschen und FLINTA-Personen gibt es sicherere Rückzugsorte. An den äußeren Ecken des Dorfes stehen Wachpunkte, an denen verhindert wird, dass Bagger und Bauzäune ins Dorf gebracht werden, die für Abrissarbeiten zum Einsatz kommen könnten. Nach wie vor wird überall gehämmert und gebaut, aber auch gekocht, pleniert oder einfach mal gemeinsam Pause gemacht. Gruppen und Einzelpersonen bauen hier ihre eigenen Strukturen, die ihnen ein Leben vor Ort ermöglichen. Und kollektiv werden Strukturen gebaut, die in einer Räumung zurückgelassen werden können. Insgesamt sollen all die Strukuren im Fall einer Räumung diese erschweren und somit die Abriss- und Rodungsarbeiten verhindern
 
Lützerath ist ein offener Raum für alle. Du kommst hier am Besten erstmal mit einem Zelt hin, und kannst dann nach einem dauerhaafteren Schlafort suchen. Komm, wie du magst, gerne alleine oder mit deiner Bezugsgruppe. Menschen kommen nach Lützerath für unterschiedliche Zeiträume: manche bleiben dauerhaft, andere pendeln zwischen verschiedenen Orten, wieder andere schauen nur für ein Wochenende vorbei. Hier sind alle diese Weisen, wie Menschen sich für die Verteidigung von Lützerath Zeit nehmen können, willkommen. Während es für manche dadurch möglich ist, sich ganz in bestimmte Arbeitsgruppen einzubringen, ist ebenso jede*r gern gesehen, der/die auf einen kurzen Besuch vorbeischaut. Dabei werden hier viele Beziehungen geknüpft, denn die Arbeit hier geschieht nicht zum Lohnerwerb, sondern aus den konkreten Bedürfnissen der Gemeinschaft. „Lützerath Lebt“ wird dadurch zu einem Netzwerk an Menschen, die sich sowohl vor Ort als auch verstreut im Land und darüber hinaus befinden und für den sofortigen Kohleausstieg kämpfen.