Essen, 18.05.2022: Am Donnerstag den 19.5.2022 um 12:00 steht die Robin Wood- Aktivistin Cécile Lecomte, auch als Bloggerin und Autorin unter dem Pseudonym ‘Eichhörnchen’ bekannt, vor dem Amtsgericht Essen. Ihr wird Widerstand gegen die Polizei und Körperverletzung bei einer Kletteraktion gegen die Jahreshauptversammlung von RWE 2017 vorgeworfen. Sie hingegen wirft der Polizei Essen vor, unrechtmäßig eingeschritten zu sein sowie unverhältnismäßige Gewalt angewendet zu haben.

Dazu schreibt die Angeklagte auf ihrem Blog: “Statt das brutale Vorgehen der Polizei zu verhandeln, wird nun gegen eine Aktivistin vorgegangen.”

Unterstützer*innen haben eine Mahnwache in der Zweigertstr. 52 in 45130 Essen vor dem Haupteingang des Amtsgerichts (Neubau) zwischen 11:00 und 14:00 Uhr angemeldet. Die Verhandlung findet im Saal N214 statt.

Die oft spektakulären Kletteraktionen von ‘Eichhörnchen’ haben seit 15 Jahren bundesweit viel Medienaufmerksamkeit auf sich gezogen. Wegen ihrer fortschreitenden Rheumaerkrankung benötigt die Aktivistin inzwischen einen Rollstuhl. Spektakuläre Aktionen lässt sie sich dennoch nicht nehmen. Sie bewegt sich am liebsten vertikal in Seilen kletternd, was ihre Gelenke besser schont, als Gehen. Die Diskriminierung durch die Polizei aufgrund ihrer Schwerbehinderung beschreibt die Aktivistin als besonders belastend.

“Es scheint für die Polizei Essen nicht vorstellbar zu sein, dass Menschen politisch aktiv sind und gleichzeitig auf Krücken gehen. Solche vorurteilsbehafteten, ableistischen Denkmuster führen zu unverhältnismäßiger Gewalt gegen behinderte Menschen.” so Lecomte.

‚Ableistisch‘ bedeutet diskriminierend gegen behinderte Personen.
Tatsächlich haben behinderte Menschen ein erhöhtes Risiko von (Polizei)Gewalt betroffen zu sein. Das zeigen nicht zuletzt die Fälle von Neukirchen Vluyn und auch von Mannheim wo behinderte Menschen bei Polizeieinsätzen ums Leben kamen.

Kontakt:

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Twitter: @HoernchenCecile
Website: http://eichhoernchen.ouvaton.org/
Blog: https://blog.eichhoernchen.fr/post/prozess-gegen-umweltaktivistin-nach-ableistischer-nrwe-polizeigewalt/#more-7040

Berlin, Deutschland und Puebla, Mexiko 18. April 2022

Gemeinsame Proteste gegen Umweltzerstörung in Deutschland, Mexiko und zahlreichen weiteren Ländern: Internationalen Tage erfolgreich beendet

Im Rahmen der Internationalen Tage der Karawane für das Wasser und das Leben, die Orte des mehrheitlich indigenen Widerstands in Mexiko besucht, fanden vom 14.04. bis zum 18.04 zahlreiche Aktionen und Veranstaltungen statt. Die Umweltschützer:innen nahmen vor allem multinationale Unternehmen ins Visier, die lokal zum Beispiel durch die Extraktion von Wasser und global durch das Anheizen der Klimakrise Lebensgrundlagen zerstören. Höhepunkt der Mobilisierung bildete eine mehrstündige virtuelle Demonstration mit der Teilnahme von 14 organisierten Widerständen aus sechs Ländern.

„Die Internationalen Tage waren ein großer Erfolg.“ so die Pressesprecherin von Lützerath Lebt, Lakshmi Thevasagayam, die die Internationalen Tage mit koordiniert hat. „ Wir haben die internationale Sichtbarkeit der Kämpfe hier vor Ort in Mexiko aber auch in anderen Ländern wie Deutschland gestärkt und uns als eine gemeinsame Bewegung verbunden. Denn eins ist klar: Die Umweltzerstörung in Mexiko geht uns alle an, denn es sind vor allem ausländische Großkonzerne, die hier alles Leben zerstören.“

„Obwohl wir an vielen Orten der Welt leben und kämpfen, begegnet uns überall das selbe Problem: Profit ist wichtiger als Menschen. Deswegen wird unserer Wasser gestohlen, unsere Gemeinden vertrieben, unsere Erde zerstört und unser Klima angeheizt. Deswegen werden wir ausgebeutet und müssen vergiftete Luft atmen.“ so Marina von der Initiative Pueblos Unidos de Cholulteca.

Am Donnerstag den 14.04. fand eine direkte Aktion gegen das Berliner Büro des Autokonzerns Volkswagen statt. Gemeinsam mit Aktivist:innen der Organisation Red de Futuros Indígenas aus Puebla, Mexiko wurde der Eingang des Gebäudes blockiert. Zugleich gab es eine Diskussionsveranstaltung zwischen deutschen Automobilindustrie Gegner:innen, wie zum Beispiel der Mobilitätswendeinitiative Sand im Getriebe die live und mit Übersetzung online übertragen wurde. Volkswagen hat in Puebla schon seit 1964 einen Standort, der durch die Übernutzung von Grundwasservorkommen und die Manipulation von Niederschlag in der Kritik steht, die Lebensgrundlage der lokalen Landbevölkerung zu gefährden.

Vor der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Mexiko Stadt kam es am 15.04. zu einer friedlichen Straßenblockade und einer Kundgebung. 60 Aktivist:innen forderten zum einen den Erhalt des Braunkohledorfes Lützerath, zum anderen, dass deutsche Großunternehmen Mexiko verlassen. „Länder wie Deutschland sind Verursacher der Klimakrise. Mit dem gerichtlich beschlossenen Abriss von Lützerath und dem weiteren Verfeuern von Braunkohle wird so auch unser aller Leben hier in Mexiko bedroht. Konzerne wie Volkswagen verschärfen die Situation noch, indem sie unseren Feldern, Brunnen und Flüssen das Wasser entziehen. Besonders den Indigenen Bevölkerungen fehlt das Wasser zum Leben, weil die Firmen es benutzen, um immer mehr Autos zu bauen.“ begründete Maria von der Karawane für das Wasser und das Leben die Aktion.

Zudem gab es zahlreiche weitere virtuelle und hybride Informationsveranstaltungen zu Großprojekten wie dem sogenannten Tren Maya, einer Zugstrecke im Osten Mexikos, die für die Verletzung Indigener Rechte, Umweltzerstörung und Militarisierung der Zone in der Kritik steht. Ähnlich umstritten ist der Corredor Interocéanico als großangelegtes Industrialisierungsprojekt durch Indigene Territorien. An diesen Projekten, die das Leben der lokalen Bevölkerung bedrohen, sind viele europäische Konzerne beteiligt, wie zum Beispiel die Deutsche Bahn.

Seit dem 22.3. hat sich in Mexiko die ‚Karawane für das Wasser und das Leben. Vereinigte Völker gegen die kapitalistische Enteignung‘ als Protestzug zu den Orten des Widerstandes gegen kapitalistische Ausbeutung und Zerstörung auf den Weg gemacht. Einen Monat lang lenkt sie die Aufmerksamkeit auf verschiedene Organisationen und Kollektive, die für den Schutz des Wassers und das Recht auf Leben kämpfen.

Letzter Grundeigentümer Lützeraths gibt Verkauf seines Hofs bekannt – „Mein Zuhause ist kein Spielball für Gerichte und Politik“

Erkelenz, 04.04.2022. Der letzte Grundeigentümer von Lützerath, Eckardt Heukamp, hat seinen Hof an den Braunkohlekonzern RWE verkauft. Er muss nun im September sein Zuhause verlassen, welches RWE für die Braunkohle abbaggern will. Nachdem er sich jahrelang weigerte, an die Aktiengesellschaft zu verkaufen, verlor Heukamp letzte Woche vor Gericht gegen RWE. Ab diesem Moment gingen seine Grundstücke rechtlich an den Konzern über. Angesichts dieser Situation entschied sich Heukamp schweren Herzens zum Verkauf.

„Mein Zuhause ist kein Spielball für Gerichte und Politik, die sich aus der Verantwortung für Klimaschutz ziehen wollen. Nach 10 Jahren im Konflikt mit den Profitinteressen von RWE brauche ich eine Verschnaufpause. Wir sehen uns trotzdem auf der Demo am 23.4.!“ erklärt Eckardt Heukamp zu seiner Entscheidung.

Der Koalitionsvertrag der Bundesregierung hatte die Entscheidung über den Erhalt von Lützerath an die Justiz übergeben. Das Oberverwaltungsgericht Münster verwies jedoch in seinem Urteil auf die fehlende gesetzliche Grundlage für eine Entscheidung im Sinne des Klimaschutzes.

Die im Dorf lebenden Aktivist*innen der Initiative Lützerath Lebt! und das Bündnis Alle Dörfer Bleiben zeigen Verständnis für Heukamps Entscheidung und kündigen weiteren Protest für Klimagerechtigkeit an. Gemeinsam mit Fridays for Future und Ende Gelände rufen Lützerath Lebt! und Alle Dörfer Bleiben am 23.04. zu einer Großdemonstration in Lützerath auf. Am nächsten Wochenende findet in dem Ort außerdem ein Frühlingsfest statt.

„Wir müssen endlich Menschen über Profite stellen. Hier passiert das Gegenteil. Denn nicht nur Eckardt Heukamp leidet unter RWE, sondern auch Menschen, die zum Beispiel die aktuelle Dürre und Hitzewelle in Mexiko durchstehen müssen. Gegen die Klimakrise und dieses System werden wir hier weiter Widerstand leisten“, sagt Florian Özcan, Sprecher der Initiative Lützerath Lebt!.

„Der psychische Druck, den RWE auf Umsiedler ausübt, ist absolut unmenschlich“, so David Dresen aus Kuckum. „Das Dorf wird immer leerer, die Gebeine der Toten werden aus dem Friedhof geholt, Tag und Nacht graben die Bagger auf dein Zuhause zu, dauernd ruft der Konzern bei dir an… und wenn du nicht spurst, wie RWE es will, dann heißt es ganz schnell: Entweder ihr nehmt dieses Angebot jetzt an oder ihr könnt gucken, wo ihr bleibt. Wir sind beeindruckt, wie lange und mutig Eckardt Heukamp diesem Druck standgehalten hat.“

 

Bewohner*innen kündigen nach Gerichtsbeschluss an, den drohenden Abriss Lützeraths zu verhindern +++ Großdemonstration wird vorbereitet

Lützerath, 28.03.2022. Nachdem das Oberverwaltungsgericht Münster dem Abriss des Dorfes Lützerath im Sinne des Kohlekonzerns RWE heute den Weg ebnete, erklärte die Initiative Lützerath Lebt!, dagegen Widerstand vorzubereiten. Ab sofort darf RWE rein rechtlich mit polizeilicher Unterstützung das gesamte Dorf räumen, Gebäude abreißen und mit einer möglichen Sondergenehmigung auch Bäume roden. Klimaschützer*innen kündigten an, sich in selbstgebauten Hütten auf den Wiesen, in Baumhäusern und auf Hausdächern gemeinsam mit den Dorfbewohner*innen den Rodungsmaschinen und Bulldozern in den Weg zu stellen. Die Gruppe erwartet außerdem tausende Unterstützer*innen zu einer Großdemonstration mit Fridays for Future, Ende Gelände und Alle Dörfer Bleiben am 23.04.2022 für den Stopp des klimaschädlichen Braunkohletagebaus vor Lützerath.

„Angesichts der zahlreichen Krisen weltweit, die mit der Klimakatastrophe zusammenhängen, ist mehr Braunkohleförderung alles andere als die logische Konsequenz, denn die Klimakrise ist schon jetzt Grund für Flucht und Konflikte um knappes Wasser. Nur eine Drosselung des Energieverbrauchs der Industrie kann uns aus dieser Situation helfen. In Solidarität mit den Betroffenen der Klimakatastrophe werden wir hier nicht freiwillig gehen“, erklärt Julia Riedel, Sprecherin der Initiative Lützerath Lebt!.

Die Initiative Lützerath Lebt! gründeten Aktivist*innen bereits 2020 im Dorf Lützerath gemeinsam mit Anwohnenden. Als Teil der globalen Bewegung für Klimagerechtigkeit wollen sie nicht bloß Klimazerstörung beenden, sondern auch für einen gerechten Umgang mit den vorhandenen und kommenden Klimakatastrophen eintreten. So sollen Betroffene, von denen viele in ökonomisch schwachen Ländern leben, nicht weiter den Preis für europäische Energiepolitik zahlen.

“Es ist ein Verbrechen, dass mitten in der Klimakrise in einem der Länder, die am meisten zu dieser Krise beigetragen haben, immer noch Kohle gefördert wird. Doch dieses Verbrechen wurde vor Gericht nicht verhandelt. Wir müssen die Sicherung unserer Lebensgrundlage also selbst in die Hand nehmen. Dass Lützerath und die anderen Dörfer um Garzweiler überhaupt noch stehen, ist ein Sieg unserer Bewegung.“, befindet Tomke Belitz, Sprecherin der Initiative.

Mit dem Februar endete auch in Lützerath die Rodungssaison. Seitdem dürfen bundesweit bis zum nächsten Oktober keine Bäume mehr ohne Sondergenehmigung gefällt werden. Ob der Vogel- und Naturschutz vor den Interessen von RWE fällt, ist in Lützerath daher eine relevante Frage. Baumhäuser könnten solange als Hindernis gegen die Ausweitung des Tagebaus eingesetzt werden, wie Bäume im Dorf stehen bleiben.

Banner im Frankfurter Hauptbahnhof: Klimabewegung klagt Danone für Wasserraub an
 
Frankfurt, 1.3.2022 Am Dienstagnachmittag erkletterten Aktivistinnen aus dem Klimadorf Lützerath die Haupthalle des Frankfurter Hauptbahnhofs, um ein neun Meter langes Transparent gegen das Unternehmen Danone ins Dach zu hängen. Zeitgleich zog eine Demonstration mit 35 Teilnehmenden vom mexikanischen Konsulat zum Hauptsitz von Danones Geschäft mit dem Wasser am Bahnhof. Die Gruppen werfen der Firma gemeinsam mit den „Pueblos Unidos de Cholulteca“ in Mexiko vor, die Wasserreservoire der dortigen Bevölkerung komplett auszubeuten. 
 
„Gestern berichtete der Weltklimarat: Dürren bedrohen schon jetzt das Leben von Milliarden Menschen. Trotzdem stiehlt Danone in Mexiko knappes Trinkwasser für private Gewinne. In der selben kolonialen Weise verlieren seit 500 Jahren Menschen ihre Lebensgrundlage. Wir stellen uns hinter die Forderung unserer Verbündeten in Mexiko: Das Wasser ist für alle da!“ erklärt Florian Özcan, Sprecher der Aktivist:innen von Lützerath Lebt!.
 
Angelpunkt des Konflikts in Puebla ist eine Abfüllanlage von Danone. Nach Angaben der indigenen Gemeinschaften und Landbevölkerung im Umkreis entzieht sie der Umgebung so viel Wasser, dass ihre Brunnen austrockneten. Deshalb stoppten indigene Nahua und andere Anwohnende im März 2021 dort eigenhändig die Produktion von abgefülltem Wasser und Limonade. Die Bedingungen für die Landwirtschaft erholten sich etwas. Im August verwandelten sie die Fabrik in das bunte Gemeinschaftshaus „Altepelmecalli“, nahuatl für „Haus der Völker“. Es wurde Ausgangsort für Projekte zu Gesundheit, Frauenorganisation und landwirtschaftlichen Kooperativen. Am 15. Februar schritt die Regierung ein und ließ die Fabrik räumen, um Danone die Wiederaufnahme der Produktion zu ermöglichen.
 
Danone wirbt für sich als grünes Unternehmen und erklärt auf seiner Website sozial und ökologisch zu produzieren. Während in Europa vegane Produkte wie Alpro Joghurt verkauft werden, steht das Unternehmen immer wieder in der Kritik von Umweltverbänden wie zum Beispiel der deutschen Umwelthilfe.
 
„In Lützerath kämpfen wir gegen RWEs Kohleabbau, unsere Geschwister in Mexiko gegen Danones Wasserausbeutung. Hier wird wieder einmal klar, wer unsere Gegner im Kampf gegen die Klimakatastrophe sind, die Wasser zu einem raren Gut macht: Kapitalistische Konzerne feuern nicht nur die Klimakrise an, sie machen auch noch Profit aus den Folgen davon, wie der Dürre. Die Ärmsten sind diejenigen, die sich das Danone-Wasser nicht mehr leisten können obwohl sie direkt an der Quelle wohnen.“, so Lakshmi Thevasagayam, Sprecherin der Aktion und von Lützerath Lebt!.
 
In Lützerath, einem von Kohleabbau bedrohten Dorf im Rheinland blockieren um die hundert Personen seit über einem Jahr den Abriss von Häusern und Bäumen. So wollen sie verhindern, dass Millionen Tonnen CO2 die Klimakatastrophe weiter anheizen. Derzeit soll ein Gericht über die Enteignung des letzten Grundeigentümers im Dorf entscheiden. Doch die Aktivist:innen von Lützerath Lebt! haben bereits angekündigt, dass sie das Dorf nicht freiwillig verlassen.
 

 

 
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Lützerath, 24.02.2022. Am Morgen hat die von RWE engagierte Sicherheitsfirma einzelne Aktivist*innen festgesetzt, die im Tagebauvorfeld versuchten, einen Bagger zu stoppen. In Folge dessen ist die Situation nun eskaliert. Die Sicherheitsfirma verständigte bereits nach kurzer Zeit die Polizei, die daraufhin das Dorf betrat und die Aktivist*innen mit Pfefferspray und physischer Gewalt zurückdrängte. Zu diesem Zeitpunkt kommen weitere Einheiten nach Lützerath.

Von der Polizei gehen klar Agressionen aus. Es ist zu gewaltsamen Festnahmen und Repressionen gekommen. Das Aufgebot, das hier in Stellung gebrach wird, ist der Situation nicht angemessen. Unser Protest hier vor Ort ist weiterhin legitim. Die Gesellschaft ist auf unserer Seite. Das Vorgehen der Polizei zeigt aber, wie weiterhin versucht wird, unseren Widerstand zu eskalieren und zu kriminalisieren,“ so Johanna Müller, Pressesprecherin der Initiative LützerathLebt.

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Ausstellung in Lützerath zu migrantischem Widerstand anlässlich des Jahrestags von Hanau

Lützerath, 18. Februar. In dem wiederbelebten Dorf wird ab dem 20. Februar die Wandzeitung „Migrantischer Widerstand im Hamburg der 90er“ ausgestellt und in den nächsten Wochen zu sehen sein. Der Soziologe und Aktivist Gürsel Yildirim besitzt ein großes unveröffentlichtes Archiv selbstorganisierten, antifaschistischen Widerstandes von Migrant*innen und Geflüchteten in Hamburg und darüber hinaus. In der Ausstellung werden auf 12 großen Wandbildern Fotos, Flugblätter, Plakate und viele weitere Dokumente daraus gezeigt und eingeordnet.

Am Samstag, den 26.02 um 15:00 findet eine Veranstaltung mit Gürsel Yildirim statt, bei der er über weitere Hintergründe der Plakate sprechen wird und dabei auch Bezüge zu aktuellen Kämpfen herstellt.

Die einzelnen Plakate der Wandzeitung sind:

  • Antirassismus im Stadion des FC St. Pauli 1991
  • Migrantische Zeitschriften in den 1990er Jahre
  • Die Proteste von Geflüchteten in Norderstedt 1991/1992
  • Die Proteste von Geflüchteten in Neuengamme 1993
  • Die Proteste nach den rassistischen Brandanschlägen von Mölln 1992
  • Die Proteste nach dem rassistischen Brandanschlag von Solingen 1993
  • Die Proteste migrantischer Jugendlicher 1992 – 1994
  • Der Widerstand in der Tradition von Antifa Gençlik Berlin 1994
  • Die Proteste nach dem rassistischen Brandanschlag in Lübeck 1996
  • Die Geschichte der Initiativen zur Umbenennung von Plätzen und Straßen im Gedenken an Opfer rassistischer Gewalt seit den 1990er Jahren in Hamburg
In seinem Editorial schreibt Gürsel Yildirim:

„In diesen frühen Jahren des wiedervereinigten Deutschlands nahmen rassistische Gewalt und völkische Hetze derart erschreckende Ausmaße an, dass eine neue Stufe selbstorganisierten Widerstands notwendig wurde. Dieser wurde ab Mitte der 1990er Jahre wieder schwächer.

Nach der Selbstenttarnung des NSU 2011 und vor allem als Reaktion auf das Massaker in Hanau vom 19. Februar 2020 ist eine neue Generation von antirassistischen Aktivist*innen dabei, sich gegen die vielfältigen Rassismen und den neuen Faschismus der Gegenwart zu formieren.

Mit dieser Wandzeitung möchten wir einen kleinen Beitrag dazu leisten, dass der selbstorganisierte Widerstand gegen die völkische Bewegung noch stärker wird und diese mit anderen emanzipatorischen Bewegungen zu einer gerechten und solidarischen Gesellschaft führt. Die Wandzeitung verstehen wir als einen winzigen Schritt in diese Richtung.“

Die Wandzeitung ist in Kooperation mit Internationale Kunstfabrik Kampnagel entstanden und wurde von der Freien Hansestadt Hamburg im Rahmen der Initiative STADT MIT COURAGE gefördert.

Bei Rückfragen:

„X für Lützi“ – Aktionstag für Lützerath in 40 Städten – Alle Wohnhäuser Lützeraths sind nun bewohnt

Lützerath, 08.01.2022. Hunderte Menschen haben heute in über 40 Städten Aktionen durchgeführt und gelbe „X“ für Lützerath aufgestellt – das Symbol des Braunkohlewiderstands. Die beteiligten Aktiven der Gruppen Fridays For Future, Lützerath Lebt!, Alle Dörfer Bleiben, Ende Gelände und Greenpeace erklärten damit symbolisch ihren Protest gegen eine potenzielle Zerstörung des Ortes und ihre Unterstützung des Widerstandes vor Ort. In Lützerath wurde ein sieben Meter großes gelbes X in einem Online-Livestream aufgestellt, der auch Beiträge aus den Städten zeigte. Zum Event im bedrohten Dorf kamen auch Luisa Neubauer und Vladimir Slivyak, russischer Umweltaktivist und Träger des alternativen Nobelpreises.

„In Lützerath zeigt sich, ob die 1,5 Grad Grenze ernst genommen wird oder ob weiterhin die Interessen eines Großkonzerns über unsere Existenzgrundlagen gestellt werden. Dass diese Entscheidung erneut durch ein Gericht getroffen werden muss und sich die neue Bundesregierung nicht bereits im Koalitionsvertrag zum Erhalt von Lützerath bekannt hat, zeigt uns mit welcher Verantwortungslosigkeit weiterhin in der deutschen Klimapolitik gehandelt wird.“, so Christina Schliesky, eine Sprecherin von Fridays for Future.


Zudem hat die Initiative Lützerath lebt ein Haus wiederbelebt. Eine friedlichen Menschenmenge drang in den Hof ein, der bereits im Besitz von RWE ist, und durch den Energiekonzern bald abgerissen werden soll. Dort befestigten sie Transparente an der Fassade und stiegen auf das Dach. Somit sind alle Wohnhäuser in Lützerath von Klimaaktivist:innen bewohnt, die ankündigen, die Häuser gegen den Abriss für die klimaschädliche Braunkohle zu verteidigen.

Lakshmi Thevasagayam von der Inititative Lützerath Lebt! erklärte: „Damit dass wir heute in Lützerath ein weiteres Haus belebt haben, wollen wir nicht nur Kohle blockieren sondern uns aktiv mit Kämpfen im Globalen Süden für Klimagerechtigkeit solidarisieren. Das heißt auch, dass wir uns vor Augen halten müssen, was uns in diese Klimakatastrophe gebracht hat: Kapitalistische Ausbeutung, vor allem im Globalen Süden. Dort sind die Menschen, die am meisten unter dieser Katastrophe leiden, während der Globale Norden der Nutznießer und Hauptverursacher bleibt.“


„Der Erhalt von Lützerath ist in erster Linie eine politische Frage, für die sich die Landesregierung von NRW und die Bundesregierung verantworten müssen. Beide haben sich dazu verpflichtet, die Klimaziele einzuhalten. Das geht nur, wenn das Dorf erhalten bleibt. Die Entscheidung auf Gerichte abzuwälzen, ist einfach nur feige und verantwortungslos.“, sagte Alexandra Brüne von Alle Dörfer bleiben.

„Die Klimakrise ist weit voran geschritten. Selbst wenn wir sofort aus der Kohle aussteigen, sind wir spät dran. Allein der Gedanke Lützerath noch abzubaggern, ist eine Beleidigung gegenüber allen, die schon jetzt mit den Folgen der Klimakrise zu kämpfen haben. Deswegen verteidigen wir Lützerath mit unseren Körpern.“, erklärt Dina Hamid, Pressesprecherin von Ende Gelände.


Und Bastian Neuwirth, Greenpeace-Klimaexperte, forderte: „Die Ampel und die Landesregierung NRW dürfen sich nicht vor ihrer klimapolitischen Verantwortung wegducken und das Schicksal von Lützerath den Gerichten überlassen. Nur wenn die Millionen Tonnen Braunkohle unter Lützerath im Boden bleiben, lassen sich die Pariser Klimaziele für Deutschland erreichen. Die neue Bundesregierung muss jetzt Tempo machen, um Deutschlands Rückstand beim Klimaschutz aufzuholen.”

Sollte das Urteil des Oberverwaltungsgerichts gegen den Erhalt Lützeraths fallen, rufen Fridays For Future und Lützerath Lebt! zu einer Großdemonstration in Lützerath am darauf folgenden Samstag auf. Den dann drohenden Abriss des Dorfs wollen Aktivist*innen von Lützerath Lebt! und Ende Gelände blockieren.

#XfürLützi – Aktionstag für Lützerath in 26 Städten am 08.01.2022

Presseverteter*innen sind in Lützerath ab 14:00 herzlich eingeladen.

Lützerath, 06.01.2022 Am Samstag werden hunderte Personen in 26 Städten gelbe „X“ für Lützerath aufstellen. Die beteiligten Aktiven der Gruppen Fridays For Future, Lützerath Lebt!, Alle Dörfer Bleiben, Ende Gelände und Greenpeace erklären damit symbolisch, das Dorf gegen den Kohlekonzern RWE im Fall einer Räumung zu verteidigen. In Lützerath soll ein sieben Meter großes gelbes X in einem Online-Livestream aufgestellt werden.

„Die Klimakrise ist weit voran geschritten. Selbst wenn wir sofort aus der Kohle aussteigen, sind wir spät dran. Allein der Gedanke Lützerath noch abzubaggern, ist eine Beleidigung gegenüber allen, die schon jetzt mit den Folgen der Klimakrise zu kämpfen haben. Deswegen verteidigen wir Lützerath mit unseren Körpern.“ erklärt Dina Hamid, Pressesprecherin von Ende Gelände.

Im Protestcamp in Lützerath auf dem Grundstück des letzten Hauseigentümers Eckardt Heukamp bereiten sich aktuell rund hundert Aktivist*innen darauf vor, den möglichen Abriss des Dorf zu blockieren. Gegen die vorläufige Enteignung Heukamps läuft derzeit noch eine Klage vor dem Oberverwaltungsgericht Münster. Das Dorf ist in der Zwischenzeit Kristallisationspunkt der deutschen Klimabewegung geworden. Auch, weil sein Abriss nach einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung nicht mit der Einhaltung des Pariser Klimaabkommens vereinbar wäre, dem die Bundesregierung sich verpflichtet hat.

Lakshmi Thevasagayam von der Inititative Lützerath Lebt! erklärt: „In Lützerath wollen wir nicht nur Kohle blockieren sondern uns aktiv mit Kämpfen im Globalen Süden für Klimagerechtigkeit solidarisieren. Das heißt auch, dass wir uns vor Augen halten müssen, was uns in diese Klimakatastrophe gebracht hat: Kapitalistische Ausbeutung, vor allem im Globalen Süden. Dort sind die Menschen, die am meisten unter dieser Katastrophe leiden, während der Globale Norden der Nutznießer und Hauptverursacher bleibt.“

Sollte das Urteil des Oberverwaltungsgerichts gegen den Erhalt Lützeraths fallen, rufen Fridays For Future und Lützerath Lebt! zu einer Demonstration in Lützerath am darauf folgenden Samstag auf. Den dann drohenden Abriss des Dorfs wollen die Aktivist*innen in Lützerath mit zivilem Ungehorsam verhindern.

Aktivist*innen beleben zwei weitere Häuser in Lützerath
 
Seit Mittwoch haben Aktivist*innen in dem von Braunkohleabbau bedrohten Dorf Lützerath zwei leerstehende Häuser bezogen. Sie kündigten an, dort zu bleiben bis fest stehe, dass das Dorf erhalten bleibe. Die Häuser befanden sich seit der Zwangsumsiedlung der Bewohner*innen in RWE-Besitz.
 
„Wir leben auch jetzt in den Wintermonaten in Zelten und Baumhäusern hier und obwohl es immer kälter wird, werden wir immer mehr. Dass wir uns hier die Füße abfrieren, während nebenan Häuser leer stehen, zeigt die Absurdität des Kapitalismus. Ressourcen werden nicht zur Bedürfnisbefriedigung genutzt, sondern für Profit. Wir sind für eine klimagerechte Welt, die sich nicht an Profit orientiert. Dafür muss die Kohle hier im Boden bleiben“, erklärt Florian Özcan, Sprecher der Initiative Lützerath Lebt.
 
Bereits nach der Demonstration in Lützerath mit ca. 5000 Teilnehmenden am vergangenen Sonntag beendeten die Sicherheitskräfte von RWE ihre Wache vor den Grundstücken, die sich im Besitz des Konzerns befinden. Daraufhin suchten Menschen im ersten Haus Zuflucht. Am Mittwoch folgte dann der Einzug in das zweite Haus.
 
„Ministerpräsident Wüst hat vom Erhalt von fünf Weilern gesprochen. Aber es ist Wahnsinn mitten in der Klimakatastrophe noch weiter Kohle zu fördern: Lützerath muss auch bleiben! Deswegen schützen wir jetzt noch mehr Häuser vor dem Abriss. Wir schulden den Menschen, denen wir die Klimakatastrophe an den Hals gewirtschaftet haben den sofortigen Kohleausstieg.“ konstatiert Aktivistin „Indigo“.

 

Neben der Nutzung als warmen Schlafplatz haben die neuen Lützerather*innen viele Ideen, was in den neuen Räumlichkeiten geschehen soll, die von Reparaturwerkstätten über Konzerträume bis zu einem Pfannkuchenhaus reichen. Entschieden wird das gemeinsam mit allen.
 
Das Protestcamp befindet sich auf den Flächen Eckardt Heukamps derzeit legal, wozu allerdings nicht die neu erschlossenen Häuser im Dorf zählen. Alle Menschen sind eingeladen, den Widerstand vor Ort zu unterstützen und für einen Kaffee oder vielleicht auch einen Pfannkuchen vorbeizukommen. 
 
Seit über einem Jahr ist das Dorf bunt belebt von einer dauerhaft besetzten Mahnwache , Wohngemeinschaften und einem Protestcamp. Die neuen Bewohner*innen kamen zur Unterstützung Eckardt Heukamps in seinem Kampf gegen den klimaschädlichen Braunkohleabbau.
 
Kontakt:
 
 
Florian Özcan: 0151 68693053
 
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Twitter: @LuetziBleibt
Instagram: @luetzibleibt
 
Fotos zur freien Verwendung:

+++Weiterer Aufschub sorgt für Freude in Lützerath +++

20.12.2021, Lützerath. Auf dem Grundstück des Landwirts Eckardt Heukamp konnten die Bewohner*innen Lützeraths vorläufig aufatmen. Das Oberverwaltungsgericht Münster kündigt heute an, erst nach dem 07.01.2022 eine Entscheidung über die vorgezogene Inbesitznahme von Heukamps Flächen für die Ausweitung des Kohletagesbaus zu fällen. Zusätzlich verpfichtet das Gericht den Energiekonzern RWE dazu, die Zerstörung der Hütten und Baumhäuser auf Heukamps Grundstück bis zur juristischen Entscheidung zu unterlassen. Über diesen erneuten Erfolg und die gewonnene Zeit freuen sich viele Klima-Aktivist*innen im Dorf. Wann das Urteil fallen soll, ist allerdings nicht bekannt. Weiterhin abrissbedroht sind außerdem die Teile Lützeraths, die sich bereits in RWEs Besitz befinden.

Vertreter*innen der Klimagerechtigkeitsbewegung campen seit über einem Jahr im Weiler Lützerath, um den Abriss des Dorfs für die klimaschädliche Braunkohleverstromung zu verhindern.“Der Aufschub zeigt, wie viel der Widerstand hier vor Ort erreicht hat und noch erreichen kann. Dieser Teilerfolg gibt uns Kraft und Motivation, weiter für eine lebenswerte Zukunft und gegen die Ausbeutung von Mensch und Natur zu kämpfen.“, so Karla, eine der Aktivist*innen.

Seit einigen Monaten schon wehrt sich Heukamp gerichtlich gegen seine von RWE einkalkulierte Enteignung. Bis zum heute angeordneten Aufschub hatte der Energiekonzern es sich vorbehalten, ab dem 07. Januar 2022 mit der Räumung eines entstandenen Protestcamps, sowie den Rodungs- und Abrissarbeiten der Bäume und Häuser auf Heukamps Grundstücken zu beginnen – wenn nötig auch ohne ein abschließendes Urteil. Mit dem vorläufigen Verbot durch die zweite Instanz verschiebt sich die juristische Klärung des Konfliktes auf unbestimmte Zeit. Das Gericht begründete die Maßnahme damit, dass es angesichts der Komplexität des Falles mehr Zeit benötige, um zu einem Urteil zu kommen.

“Der Fall ist so komplex, weil wir als Bewegung für gerechten Klimaschutz legitim fordern: In Deutschland sollen Unternehmen nicht weiter die Klimakatastrophe anheizen! Sie kostet jetzt schon viele Menschenleben. Am Ende wird es uns alle treffen, doch in diesem Wirtschaftssystem ist nahegelegt weiter zu zerstören. Diese zerstörerischen wirtschaftlichen Grundbedingungen setzt das Gericht voraus und wägt deshalb die Interessen von RWE mit dem Überleben von Menschen ab.”, so Florian Özcan, Sprecher der Initiative ‘Lützerath lebt’.

RWE verschob vergangene Woche bereits die Grenzen des Tagebauvorfelds um mehrere hundert Meter, indem es große Landstriche mit einem Erdwall umschloss. Die Aktivist*innen kündigten an, Lützerath zu verteidigen, sollte RWE hier schon früher zu Rodungs- oder Abrissarbeiten ansetzen. Eine mögliche gerichtliche Niederlage Heukamps wollen sie nicht akzeptieren.

“Die Kohle unter Lützerath muss im Boden bleiben, denn sie befeuert die Klimakatastrophe unter der jetzt schon unzählige Menschen leiden. Gerade Menschen auf der Welt, die am meisten betroffen sind, kämpfen schon lange für Veränderung- und bislang werden sie hier ignoriert, wo am meisten Treibhausgase emitiert wurden. Das wollen wir ändern und als Teil ihrer Bewegung Lützerath unräumbar machen. Hier geht es nicht nur um Eckardts Enteignung, sondern um ein gutes Leben für alle. Dabei werden wir uns nicht auf die Gerichte oder Politik verlassen“, erklärt Jorges, der bereits seit 8 Monaten im Dorf lebt.

Pressestatement zum Koalitionsvertrag: Jetzt schon versagt
 
Erkelenz. Die Verteidiger_innen des Dorfs Lützerath kündigen an, die Verantwortung für gerechten Klimaschutz nicht der neuen Bundesregierung überlassen zu können. Nach dem Koalitionsvertrag planen SPD, FDP und Grüne, nicht die  1,5 Grad Grenze einzuhalten, obwohl Deutschland dieser für das Pariser Klimaabkommen zugestimmt hatte. Dadurch, dass nicht festgelegt ist, dass die Bagger vor Lützerath stoppen, wird die 1,5 Grad Grenze überschritten und die Klimakatastrophe, die schon heute täglich Menschenleben kostet, weiter befeuert.
„Idealerweise“ noch neun weitere Jahre Kohle zu verfeuern ist, in Anbetracht der drastischen Folgen die bereits 1,2 Grad globale Erwärmung haben und der historischen Schuld Deutschlands an der Klimazerstörung, unverantwortbar.
  
 
“Die neue Bundesregierung schließt von vorne herein aus, das selbstgesteckte 1,5 Grad Limit überhaupt einhalten zu können- das ist einfach nur peinlich. Schon jetzt starben Menschen in Ahrweiler oder auf Madagaskar an den Folgen der Klimakatastrophe. Sie ist in vollem Gang. Die neue Regierung verkauft uns, bis 2030 weiter Kohle zu verbrennen, sei Klimaschutz. Sagt mal: Geht’s noch?” ruft Salome Dorfer, Sprecherin der Initiative “Lützerath Lebt” empört.
 
Dennoch veranstalten die Aktivist_innen eine kleine Feier für ihren Kampf zum Erhalt der geretteten Dörfer Keyenberg, Kuckum, Oberwestrich, Unterwestrich und Berverath. Sie sollen laut dem Koalitionsvertrag nicht mehr abgerissen werden. Über ein Jahr lang stemmten Menschen der Klimagerechtigkeitsbewegung gemeinsam mit lokalen Initiativen Camps, Blockaden, Demos und Festivals. Das scheint sich ausgezahlt zu haben. 
 
“Wir haben mit unseren Freunden und Freundinnen von ‘Alle Dörfer Bleiben’ und ‘Kirche im Dorf lassen’ für die Rettung ihres Zuhauses gekämpft. Zu Beginn hat kaum jemand gewagt, sich zuversichtlich zu geben. Jetzt haben wir den Erhalt der fünf Dörfer gemeinsam geschafft. Das bestärkt uns darin, dass Widerstand sich lohnt und wir zusammen viel stärker sind als allein. Gleichzeitig sind Lützerath und das globale Klima noch längst nicht gerettet. Wir werden hier die Zerstörung des Klimas durch RWE für kapitalistische Profite blockieren. Ermutigt von den vielen Kämpfen für Klimagerechtigkeit im Globalen Süden werden wir unsere Lebensgrundlage verteidigen”, verspricht Florian Özcan, Sprecher der Aktivist_innen im Camp in Lützerath.
 
Ob eine Blockade noch nötig wird, entscheidet wohl das Oberverwaltungsgericht Münster. Dort hat der letzte alteingesessene Lützerather, Eckardt Heukamp, Widerspruch gegen seine vorzeitige Enteignung eingelegt. RWE sagte zu, die Flächen mit seinem Haus und dem Camp mit über 100 Aktivist_innen nicht anzutasten, bis das Urteil gefällt sei. Andere Flächen sind davon zwar ausgenommen, bislang geht der Kohlekonzern allerdings auch hier nicht in die Offensive. In der Zwischenzeit werkeln die neuen Bewohner_innen an neuen Hütten und Baumhäusern. Außerdem zogen einige Anfang November in zwei leerstehende Häuser aus RWE-Besitz ein, deren vorige Bewohner_innen vom Konzern umgesiedelt worden waren. Auch gegen die geplante Entweihung aller Kirchen in den nun geretteten Dörfern am Sonntag werde Protest organisiert. Diese gehören bereits RWE. Eine Entweihung würde den nun geretteten Dörfern ihren Lebensmittelpunkt nehmen. 
 
“Die Ampel-Koalition spricht davon, Klimaschutz und Wohlstand zu verbinden, aber Wohlstand für wen, auf was für einem Planeten? Das gute Leben für Alle scheitert am rassistischen, patriarchalen Kapitalismus, der sich nicht an den Bedürfnissen der Menschen orientiert, sondern an Profit. Die Eindämmung der Klimakatastrophe und den Erhalt der Lebensgrundlage aller können wir nur außerhalb dieses Systems erreichen”, erklärt Lakshmi Thevasagayam, ebenfalls Sprecherin der Aktivist_innen in Lützerath.
 
  
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Kohleproteste: Urteil gegen zwei Klimaaktivisten wegen Hausbesetzung in Lützerath

23.11.2021, Erkelenz. Am Dienstag fand am Amtsgericht Erkelenz ein Prozess gegen zwei Klimaaktivisten statt. Sie wurden vom Vorwurf des Widerstands gegen Vollstreckungsbeamt:innen freigesprochen. Jedoch gab es eine Verurteilung wegen Hausfriedensbruch zu einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen.

Die Beschuldigten waren Teil einer Gruppe von fünf Personen, die im vergangenen Januar ein Haus in Lützerath erkletterten, um den Abriss des Dorfes zu verhindern. Der Energiekonzern RWE begann am 05. Januar 2021 damit, Gebäude in Lützerath abzureißen. Durch ihre Besetzung hatte die Aktivist:innen-Gruppe den Abriss für mehrere Stunden blockiert. Erst nach ihrer Festnahme durch die Polizei konnte die Zerstörung der Häusergruppe fortgesetzt werden.

„RWE ist diejenige, die den Hausfrieden in den Dörfern zerstört, in dem sie sie in der Grube versenken. Aber angeklagt werden absurderweise wir, die versuchen dies zu verhindern“, sagt Niklas, einer der Angeklagten.

RWE plant gemeinsam mit der Landesregierung, im Zuge der Erweiterung des Braunkohle-Tagebaus Garzweiler auch den Rest Lützeraths zu zerstören. Das Dorf ist das letzte Hindernis für die Schaufelradbagger des Energieriesen zwischen Holzweiler und Keyenberg. Seit Monaten bewohnen hunderte Klimaaktivist:innen Lützerath, um seine Zerstörung zu vereiteln. Im Januar stellten sich viele von ihnen den Abrissmaschinen in den Weg. Einige erkletterten dazu immer wieder Häuser und Baufahrzeuge. Letztlich verzögerten sie den Abriss lediglich; heute gibt es in Lützerath nur noch wenige Gebäude. Trotzdem sind viele der Klimaaktivist:innen geblieben. Die Verstromung der Kohlebestände unter Lützerath gilt als Scheidepunkt in der deutschen Klimapolitik, an dem wirtschaftliche Interessen und notwendiger Klimaschutz aufeinander treffen. Die Klimaaktivist:innen vor Ort sind weiter entschlossen, das Dorf auch dann zu schützen, wenn Politik und Justiz RWE’s Besitzanspruch bestätigen sollten.

Zu Beginn des Prozesses räumte das Gericht ein, dass das Verfahren eingestellt worden wäre, wenn die zuständige Staatsanwältin nicht eine Weisung ihrer Vorgesetzten bekommen hätte. Letztendlich folgte es jedoch der Verteidigung in der Auffassung, dass aneinander gekettet zu sein nicht als Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte gelten könne.

„Die Kohle unter Lützerath muss unbedingt im Boden bleiben. Laut dem aktuellen IPCC- Bericht braucht es eine Reduktion der jährlichen, weltweiten CO2-Emissionen um 50 % bis 2030, um das Klimaziel von Paris zu erreichen. Die aktuellen Zusagen der Staaten reichen aber nur für eine Reduktion um 1 %. Mit einer Erweiterung des Tagebaus Garzweiler, wird Deutschland sogar diese Ziele noch verfehlen. Weiter an der Kohle festzuhalten ist absolute Realitätsverweigerung”, so Moritz, der zweite Angeklagte.

Während RWE immer wieder behauptet, günstigen Strom anbieten zu wollen, sehen Verbände lokaler Bewohner:innen durch diesen Kurs ihren Lebensmittelpunkt und ihre Kultur zerstört oder gefährdet. Weiterhin machen weite Teile der Klimabewegung RWE für eine unwiderrufliche Zerstörung und Veränderung der Lebensräume von Menschen, Tieren und Pflanzen auf der ganzen Welt verantwortlich. Hier nehmen sie die deutsche Regierung in die Verantwortung, mit Blick auf die global angerichteten Schäden, konsequente Entscheidungen zu treffen. Dazu gehört auch ein sofortiger Ausstieg aus der Kohleenergie, womit Klimaschutz über wirtschaftliche Interessen gestellt würde.

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Kohleproteste: Gerichtsverfahren wegen Hausbesetzung in Lützerath

Erkelenz. Am Dienstag startet der Gerichtsprozess gegen zwei Klimaaktivisten, die Anfang des Jahres festgenommen worden waren. Sie waren Teil einer Gruppe von fünf Personen, die im vergangenen Januar ein Haus in Lützerath erkletterte. Ihnen wird Hausfriedensbruch und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte vorgeworfen.

Der Energiekonzern RWE begann am 05. Januar damit, das Haus gemeinsam mit einem Großteil der Gebäude in Lützerath abzureißen. Durch ihre Besetzung hatte die Aktivist:innen-Gruppe den Abriss für mehrere Stunden blockiert. Erst nach ihrer Festnahme durch die Polizei konnte die Zerstörung der Häusergruppe fortgesetzt werden. Am Dienstagmorgen beginnt die Gerichtsverhandlung gegen zwei von ihnen vor dem Amtsgericht Erkelenz.

„Dieser Prozess ist so absurd, dass es schon fast komisch ist: RWE vertreibt Menschen aus ihren Häusern und reißt diese ab. Und der Versuch das zu verhindern soll Hausfriedensbruch sein?“, sagt Niklas, einer der Angeklagten.

RWE plant gemeinsam mit der Landesregierung, im Zuge der Erweiterung des Braunkohle-Tagebaus Garzweiler auch den Rest Lützeraths zu zerstören. Das Dorf ist das letzte Hindernis für die Schaufelradbagger des Energieriesen zwischen Holzweiler und Keyenberg. Seit Monaten bewohnen hunderte Klimaaktivist:innen Lützerath, um seine Zerstörung zu vereiteln. Im Januar stellten sich viele von ihnen den Abrissmaschinen in den Weg. Einige erkletterten dazu immer wieder Häuser und Baufahrzeuge. Letztlich verzögerten sie den Abriss lediglich; heute gibt es in Lützerath nur noch wenige Gebäude. Trotzdem sind viele der Klimaaktivist:innen geblieben.

„Die Kohle unter Lützerath muss unbedingt im Boden bleiben. Laut dem aktuellen IPCC-Bericht braucht es eine Reduktion der jährlichen, weltweiten CO2-Emissionen um 50 % bis 2030, um das Klimaziel von Paris zu erreichen. Die aktuellen Zusagen der Staaten reichen aber nur für eine Reduktion um 1 %. Mit einer Erweiterung des Tagebaus Garzweiler, wird Deutschland sogar diese Ziele noch verfehlen. Weiter an der Kohle festzuhalten ist absolute Realitätsverweigerung”, so Moritz, der zweite Angeklagte.

Die Verstromung der Kohlebestände unter Lützerath gilt als Scheidepunkt in der deutschen Klimapolitik, an dem wirtschaftliche Interessen und notwendiger Klimaschutz aufeinander treffen. Während RWE immer wieder behauptet, günstigen Strom anbieten zu wollen, sehen Verbände lokaler Bewohner:innen durch diesen Kurs ihre Heimat und Kultur zerstört oder gefährdet. Weiterhin fürchten weite Teile der Klimabewegung eine unwiderrufliche Zerstörung und Veränderung der Lebensräume von Menschen, Tieren und Pflanzen auf der ganzen Welt als Folge.

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Internationaler Aktionstag für das Land der Yukpa und das Klima

 

Für Dienstag, den 16.11. um 15 Uhr, planen Menschen aus der globalen Klimagerechtigkeitsbewegung simultan Aktionen in Madrid, Sevilla, Paris, Mailand, Neapel und Berlin vor kolumbianischen Botschaften. Zum kreativen Protest haben politische und spirituelle Autoritäten der indigenen Yukpa Kolumbiens aufgerufen. Ziel der Aktivist*innen ist, gemeinsam ein Zeichen gegen Landraub und für das globale Klima zu setzen. Vor der kolumbianischen Botschaft in Berlin werden unter anderem ein Delegierter der Yukpa, Juan Pablo Gutierrez sowie Verteidiger*innen Lützeraths und Aktive von „Ende Gelände“ symbolisch eine Barrikade aufstellen. Die Territorien der indigenen Gemeinschaft sowie das kleine rheinländische Dorf Lützerath sind beide vom Kohleabbau bedroht.

 

Der US-Amerikanische Konzern Drummond fördert auf dem Land der Yukpa seit 2009 Steinkohle. Flüsse wurden dafür umgeleitet, die Lebensgrundlage für Fischfang und Jagd zerstört. Die traditionelle Lebensweise der Yukpa verschwindet mit ihrer Umwelt: Heilpflanzen und Materialien zur Herstellung von Alltagsgegenständen finden sich nicht mehr in der beeinträchtigten Landschaft.

Der Tagebau wird mit Genehmigung des kolumbianischen Staates betrieben. Die kolumbianische Regierung setzt sich damit über das Urteil T-713 des Obersten Gerichtshof des Landes aus dem Jahr 2017 hinweg. In diesem Urteil wird sie dazu angehalten, das Territorium der indigenen Yukpa zu schützen.1

 

Lützerath in Nordrhein-Westfalen entwickelt sich aktuell zu einem neuen Hotspot der deutschen Klimagerechtigkeitsbewegung. Bei einer Demonstration am 31.10. kamen 5000 Menschen im abgelegenen Weiler zusammen. Seit über einem Jahr blockieren dauerhaft Aktivist*innen den Abriss von Häusern und das Roden von Bäumen mit Baumhäusern, Sitzblockaden und Barrikaden.

 

Für die Aktivist*innen der verschiedenen Länder ist die Verbindungslinie ihrer Kämpfe klar: Die globale Katastrophe, wie sie der Klimawandel erzeugt, verlangt nach einer globalen Bewegung für gerechten Klimaschutz.

Pressevertreter*innen sind eingeladen, die Aktion zu begleiten.

 

Eckdaten der Aktion in Berlin:
Kolumbianische Botschaft, Taubenstraße 23, 10117 Berlin

Kontakt:

Mail: devuelvan-la-tierra@riseup.net

Telefon: 015207048943

 

Bilder und weitere Informationen versenden wir direkt im Anschluss an die Veranstaltung.

1https://landportal.org/news/2019/08/colombia-indigenous-yukpa-besieged-deforestation-and-armed-conflict

und https://www.corteconstitucional.gov.co/relatoria/2017/t-713-17.htm

Barrikade gegen Landraub vor der kolumbianischen Botschaft in Berlin

Berlin. Am Dienstag, dem 16.11. stellten Aktivist*innen aus der globalen Klimagerechtigkeitsbewegung vor der kolumbianischen Botschaft in Berlin eine symbolische Barrikade auf. Die Kundgebung mit  ca. 50 Teilnehmenden war Teil eines internationalen Aktionstags gegen Landraub an der indigenen Yukpa-Bevölkerung aus Kolumbien und für das globale Klima. Simultan besprühten Aktivist*innen die kolumbianischen Konsulate in Madrid, Sevilla, Paris, Mailand und Neapel mit schwarzer und roter Farbe, demonstrierten in blutroten Gewändern oder ketteten sich an die Gebäude.

In Berlin waren neben einem Delegierten der Yukpa ebenso Bewohner*innen des bedrohten Dorfs Lützerath und Aktive des Bündnisses „Ende Gelände“ anwesend. Klimaschädlicher Kohleabbau gefährdet sowohl die Territorien der indigenen Bevölkerung Kolumbiens, als auch das kleine rheinländische Dorf Lützerath, das derzeit zum Hotspot der deutschen Klimabewegung avanciert.

Heute sind wir hier, weil der Klimawandel und die Tagebaue ein globales Problem sind. Dieses Gesellschaftsmodell hat uns Zivilisation und Fortschritt verkauft. Doch es hat uns aufgrund der Klimaerwärmung als menschliche Spezies an den Rand des Aussterbens gebracht. Wie ist es möglich, von Fortschritt und Entwicklung zu reden, während man damit die Mutter Erde zerstört? Schreiten wir wirklich fort, wenn wir die Kohle den Nahrungsmitteln vorziehen? Der Klimawandel und die Tagebaue sind ein globales Problem. Der Widerstand dagegen sollte auch global sein.“, erklärt Juan Pablo Gutierrez, Delegierter der Yukpa.

Der US-Amerikanische Konzern Drummond fördert auf dem Land der Yukpa seit 2009 Steinkohle im Tagebau „El Descanso“. Flüsse wurden dafür umgeleitet, die Lebensgrundlage für Fischfang und Jagd zerstört. Auch Gräber wurden abgebaggert und von ehemaligen Arbeitern erfuhr die indigene Bevölkerung, dass Körper daraus an Museen geschickt worden seien. Ihre traditionelle Lebensweise verschwindet nun mit der Umwelt: Auch Heilpflanzen und Materialien zur Herstellung von Alltagsgegenständen finden sich nicht mehr in der beeinträchtigten Landschaft. Nach dem Verfassungsgericht Kolumbiens sind die Yukpa damit vom Aussterben bedroht.
Die kolumbianische Regierung genehmigte den Tagebau ohne Einbeziehung der betroffenen Bevölkerung mit dem Argument, es gäbe dort keine indigenen Menschen. Noch immer setzt sie sich über ein Urteil des Verfassungsgerichts des Landes aus dem Jahr 2017 hinweg. In diesem Urteil wird sie dazu angehalten, das Territorium der Yukpa zu schützen.1

Bei den Yukpa und bei uns in Lützerath zerstören Konzerne das Klima und Land für Kohle, nur damit sich Geld vermehrt. Wer bekommt das Geld aus der Umweltzerstörung? Vor allem der Globale Norden, wie Europa oder die USA. Die Menschen hier wollen gar nicht auf Kosten anderer leben, doch unsere Wirtschaft funktioniert seit der Kolonialzeit zutiefst rassistisch.
Die Yukpa und wir in Lützerath stellen uns der Umweltzerstörung zusammen entgegen. Wir fordern: Gebt das Land der Yukpa zurück! Hört sofort mit der Kohleförderung auf!“, beschreibt Lakshmi Thevasagayam, Sprecherin aus Lützerath, die Verbindungslinie ihrer Kämpfe.

1https://landportal.org/news/2019/08/colombia-indigenous-yukpa-besieged-deforestation-and-armed-conflict

und

https://www.corteconstitucional.gov.co/relatoria/2017/t-713-17.htm

Links zu den Fotos:

https://sync.luckycloud.de/d/b76535bb9b1a4d219964/

Aktivist*innen malen ein 300 Quadratmeter großes Bild auf die L277 in Lützerath.

Lützerath. Im Rahmen eines globalen Aktionstages zum finanziellen Motor der Klimakatastrophe haben Aktivist*innen in Lützerath am Rande des Tagebau Garzweiler ein 300 Quadratmeter großes buntes Bild auf die Straße gemalt. Abgebildet sind Fische, Bäume und Kohlebagger, die den Text „Capitalism destroys & kills“ umrahmen: „Kapitalismus zerstört und tötet“. Im Internet läuft der Aktionstag unter „DefundClimateChaos“. Es ist der Aufruf, Investitionen in fossile Energieträger zurückzuziehen.

„Überall auf dem Planeten wird Umwelt verseucht und Menschen sterben, nur damit sich Kapital vermehrt.“, erklärt Salome Dorfer, Sprecherin für die Aktivist*innen in Lützerath. „In den reichen Ländern profitieren wir finanziell von der Zerstörung der ganzen Erde, ob wir wollen oder nicht. Wir und viele Organisationen weltweit richten uns am heutigen Aktionstag gegen diese menschenverachtende Wirtschaftsweise. Wir brauchen eine Ökonomie, die den Bedürfnissen dient, nicht dem Anhäufen von Geld.“

Speziell einen Ort heben die etwa dreißig Malenden hervor: „From Lützerath to Vaca Muerta“ prangt am Rand des Walls zum Tagebauvorland. In Vaca Muerta, Argentinien, investiert die Deutsche Bank in das zweitgrößte Schiefergasvorkommen der Erde. Beim Fracking, einer umweltschädlichen Entnahmemethode, werden weitere Treibhausgase wie Methan frei. Unter der entstehenden Wasserverschmutzung leidet die lokale Bevölkerung. Besonders hart trifft das die indigenen Mapuche, von denen einige auf saubere Flüsse für ihr Vieh angewiesen sind.

„Die Mapuche haben schon 2017 das Land in Vaca Muerta besetzt. Sie sind selbst auf die Weiden angewiesen. Aber eigentlich sind wir alle darauf angewiesen, dass dort das Gas und hier die Kohle im Boden bleibt. Sie und andere indigene Gemeinschaften sind schon seit langem im Konflikt mit dem Wirtschaftssystem und haben eine Vorreiterrolle für die Klimagerechtigkeitsbewegung.“ beschreibt Florian Özcan, Sprecher der Initiative Lützerath Lebt, die Verbindungslinie zwischen den beiden Orten.

„Die Deutsche Bank investiert sowohl hier in den Braunkohletagebau, als auch in Fracking-Gas aus Argentinien. Mit Geld von Oma und Opa wird also das Klima zerstört und Menschen werden ihrer Lebensgrundlage beraubt. Daran kann man gut erkennen, dass nicht einfach falsche Denkmuster unser Problem sind. Sondern dass unser Wirtschaftssystem einfach schädlich für uns ist.“ führt Julia Riedel, Aktivistin in Lützerath, weiter aus.

Die Aktivist*innen in Lützerath bewohnen seit einem Jahr den Ort, um den Abriss für die Braunkohleverstromung aufzuhalten. Zuletzt willigte RWE ein, bis zur Entscheidung über die Enteignung des letzten Grundbesitzers Eckardt Heukamp am Oberverwaltungsgericht Münster seine Grundstücke nicht anzutasten. Dort veranstaltet die Inititative Lützerath Lebt ab diesem Wochenende ihr „Unräumbar-Festival“. Tausende Besucher*innen werden zur Großdemonstration am Sonntag erwartet, zu der Fridays for Future, Alle Dörfer Bleiben, und Greenpeace einladen.

 

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Erkelenz. Am Mittwoch, dem 27.10., wurde bekannt, dass Eckardt Heukamps Flächen nicht wie zuvor geplant am 01.11. in den Besitz von RWE übergehen. Auf Grund des Widerstands vor Ort und dem großen öffentlichen Druck hat sich RWE verpflichtet, abzuwarten, bis die Entscheidung über Heukamps Eilantrag gegen seine Enteignung vom Oberverwaltungsgericht Münster gefallen ist. Dies kann jederzeit passieren, spätestens allerdings am 07. Januar 2022.

Die Vereinbarung hat jedoch keinen Einfluss auf die restlichen Grundstücke in Lützerath. Häuser sind weiter von Abriss bedroht, Bäume können gerodet werden. Eine der Campflächen der Initiative Lützerath Lebt geht am 01.11. in den Besitz RWEs über und ist ab dann räumungsbedroht.


„Dieser Aufschub ist ein Erfolg, der nicht möglich wäre ohne den Widerstand hier vor Ort. Jeden gewonnenen Tag werden wir nutzen, um Lützerath unräumbar zu machen. Wir werden jeden Baum und jedes Haus verteidigen, denn die Kohle darunter würde die Klimakatastrophe weiter verschärfen. Die Kohle muss ab sofort im Boden bleiben. Hier geht es nicht nur um Eckardts Enteignung, sondern um ein gutes Leben für alle.“ erklärt Salome Dorfer, Sprecherin von Lützerath Lebt.

„Es ist ungerecht, dass die Menschen am stärksten von Klimafolgen betroffen sind, die in unserem rassistischen Wirtschaftssystem am meisten ausgebeutet werden. Uns geben die Bewegungen gegen Umweltzerstörung und für Gerechtigkeit im globalen Süden Hoffnung. Deshalb leisten wir hier Widerstand. Diese vielen Menschen zeigen uns, dass eine andere Welt möglich ist.“ ergänzt Florian Özcan, ebenfalls Sprecher der Initiative.

Die Initiative Lützerath Lebt lädt alle Menschen ein, vorbeizukommen. Das Camp auf Heukamps Grundstück kann weiterhin legal besucht werden. Bereits seit über einem Jahr ist Lützerath Treffpunkt für Interessierte und Aktive der Klimagerechtigkeitsbewegung. Hier wird gemeinsam Kaffee getrunken, sich ausgetauscht oder an Baumhäusern gebaut.

 

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+++ Bewohner*innen des Dorfes Lützerath kündigen an, den weiteren Kohleabbau zu blockieren +++

 

 

Die Klimaaktivist*innen, die in das vom Braunkohleabbau akut bedrohte Dorf Lützerath gezogen sind, kündigen an, dort auszuharren, bis fest steht, dass das Dorf erhalten bleibt. Sie fordern einen sofortigen Kohleausstieg.
In dem Sinne geht ihnen auch der abgelehnte Antrag der Grünen im Landtag nicht weit genug. Diese forderten unter anderem ein zeitlich begrenztes Moratorium für den Erhalt des Dorfes und einen früheren Kohleausstieg 2030.

 

 

„Schon dieser unzureichende Vorschlag kommt nicht durch. Dies zeigt, dass wir nicht darauf warten können, bis die Regierung Verantwortung für die Klimakrise übernimmt“, schlussfolgert Salome Dorfer.
„Die Parteien haben zugesagt, die 1,5 Grad Grenze zu achten. Einmal an der Regierung knicken sie unter Wirtschaftsinteressen ein. Deswegen bauen wir hier nicht nur Baumhäuser, damit die Kohle im Boden bleibt. Sondern auch, weil wir eine ganze andere Art des Wirtschaftens brauchen!“

 

 

Deutschland und andere Länder des globalen Nordens tragen jedoch durch hohe historische Emissionen die Hauptverantwortung an der eskalierenden Klimakrise. Massive Maßnahmen sind, auch laut Einschätzung des letzten IPCC-Berichts, sofort notwendig 1 . Deswegen reiche eine Kohleausstieg 2030 nicht aus, so Salome Dorfer, eine Sprecherin der Initiative „Lützerath lebt“.

 

 

„Wir hätten schon längst aus den fossilen Energien komplett aussteigen müssen – Deutschland und andere ehemalige Kolonialmächte ziehen sich dreist aus ihrer Verantwortung für die globale Klimakrise“, so Dorfer.

 

 

Vor wenigen Tagen kündigte der Polizeipräsident Aachens an, dass keine Großeinsätze am Tagebaurand geplant seien. Die Aktivist*innen ordnen dies als Erfolg ihres Protests ein. Zugleich bereiten sie sich weiter darauf vor, Rodungen oder Abrisse zu verhindern.

 

 

„Jeder Tag, an dem Lützerath stehen bleibt, ist ein Erfolg unseres vielfältigen Protestes. Und nur weil die Polizei keinen Großeinsatz plant, heißt es noch lange nicht, dass sie nicht Amtshilfe für RWE leisten werden. Deswegen ist es wichtig, dass wir hier vor Ort sind und Klimagerechtigkeit selbst in die Hand nehmen“, so Salome Dorfer.

 

 

Gestern endete das „Alle Bäume Bleiben Festival“, bei dem hunderte Aktivist*innen vor Ort waren. Neben Bildungsprogramm und Blockadeaktionen wurden auch zahlreiche Strukturen aufgebaut, um Lützerath zu verteidigen und den Protest zu stärken. Baumhäuser, bis zu zehn Meter hohe
Holztürme und sogenannte Tripods wurden errichtet, auf denen sich Menschen aufhalten, um die geplanten Abrissarbeit zu blockieren. Das kleine Dorf Lützerath wird zum Kristallisationspunkt einer lebendigen, starken Klimagerechtigkeitsbewegung.

 

1 https://www.carbonbrief.org/analysis-which-countries-are-historically-responsible-for-climate-change

 

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